Wärmer als die Sonne

Ein Feuer brennt.

Alleine, draussen, kalt und dunkel.

Sie streckt die Arme aus. Entgegen dem Feuer ihre Hände.
Die Wärme sticht.
Die Poren weiten sich.
Der Handrücken kalt.
Sie dreht sich; wärmt den Rücken.
Das Gesicht kalt.
Sie dreht sich wieder und wieder.
Minute für Minute.
Ist das Feuer warm genug,
wird der Derwisch zu einem Phönix.
Wärmer, höher.
Er legt die Kleider ab
und tanzt zum Himmel.
Heute ist das Feuer klein.
Also bleibt der Kreisel stehen.
Wie ein kleiner Stein im Fluss der Zeit.
Gemahlen und zermürbt,
am Boden gekauert.
Das Holz zu fern.
Das Feuer aus.
Gekrümmt unter der Last der Welt.
Still und bang.
Sie wartet auf das Ende.
Bis sie eingeht in die ewige Kälte.

Sie erinnert sich an die Hoffnung.
Ihre Oma erzählte von der Wärme.
Mit ernstlich verspielter Stimme
erzählte sie von der alten Magie:

Kind, die Sonne wärmt.
Doch nicht gerecht.
Reiche bescheint sie mehr
uns Arme lässt sie kalt.
Wir frieren; sehnen uns nach Reichtum.
Nach einem Leben auf den warmen Ebenen.
Doch WIR haben in uns
was der Reiche nicht hat.
Die Wärme.
Die Reichen sind gebräunt von der Sonne
doch ihr Herz ist kalt.
Auch viele unserer Herzen in den Tälern sind kalt.
Aber einige von uns haben die Wärme.
Kaum ein Mädchen gibt's wie dich.
Darf ihre Oma kennen.
Wir sind zu alt, zu schwach.
Wir alten werden zu den Bächen geschickt. "Stirb dort und geh der Kälte Mutter in den Schoss."
Wurde mir wieder und wieder gesagt:
"Alte geh weg."
"Siehst du nicht, du brauchst zu viel Wärme?"
"Siehst du nicht, du bist eine Last?"
Sie sprachen und sprechen so zu mir.
Doch sehen nicht die Quelle meiner Wärme.
Kind, willst du das Geheimnis wissen?
Willst du hören von der wahren Quelle?
Willst du erfahren von Wärme ohne Feuer?

Das Kind nickte mit grossen Augen und schaute in das verbrauchte Gesicht der Alten.

Die Wärme ist in dir.

Sie drückt mit ihren ungepflegten Fingernägeln sanft auf die Brust des Mädchens.

Was die Reichen nicht haben,
Ein Herz der Wärme.
Du hast die Wärme.
Du musst nichts tun. Du wirst warm haben.
Es braucht Glaube, doch der Glaube allein reicht nicht.
Es braucht Vertrauen, doch Vertrauen allein reicht nicht.
Der Wärmer lebt in dir.
Er hat alles vollbracht.
Einmal wird er wiederkommen und dann wird allen ein neues Herz gegeben.
Ein Herz das alle wärmt.
Die Sonne wird vergehen.
Doch du. Du hast schon jetzt dies Herz.

Sie lächelte das Mädchen an.
Drehte sich unter Ächzen um und ging wieder zum Feuer.

Das Mädchen zurück in der Gegenwart.
Zurück im Körper einer Frau.
Noch immer alles kalt.
Noch immer am Boden.
Doch in ihr breitet sich die Wärme aus.
Eine Gänsehaut schauert über ihre Arme
und sie sieht am Himmel, die Sonne aufgehen.
Sie sieht, dass dies nicht die letzte Nacht war.

Sinnlos

Die letzten Monate waren schwer.
Alleine in der Gasse. Kalt. Sie erinnert sich an einen Mann.
Er nahm sie nahe.
An seinen Arm und wärmte Sie.
Ihre Herzen wärmten sich.
Sie berührten sich.
Er drang ein und sie nahm auf.
Er verschwand und sie blieb.
In ihr wuchs das Lebens.
Doch sie ist allein.
Die Erinnerung der Nähe Wurde zur Hader.
Die Nähe zu Schmerz.
Das Spiel zu Ernst.
Der Ernst zur Scham.
Die Scham verletzt.
So machte sie sich auf.
Auf in die Stadt ihrer Oma.
Sie folgte der alten Tradition.
Frauen gebären mit ihrer Mutter.
Doch sie kennt ihre Mutter nicht.
Erinnert sich nur an die Oma.
So geht sie zur Stadt ihrer Vorfahren.
So hofft sie auf ihre Oma,
dass sie noch lebt,
dass sie ihr gebären hilft.

Und so wandert sie im düsteren Tal.
Die Sonne scheint nur kurz.
Die Zeit reicht knapp,
sich auf die nächste Nacht vorzubereiten.
Holz zu sammeln.
Doch bist du auf Reisen,
brauchst du eine Unterkunft.
Letzte Nacht reichte die Zeit nicht
und beinahe wäre sie in den Schoss der Kälte eingegangen.
Diese Nacht muss sie es schaffen.
Die Stadt ist nicht weit entfernt.
Seit Tagen sieht sie sie.
Doch nur wenige Kilometer schafft sie
Tag für Tag.
Sie sieht die Stadt, doch weiss gewiss,
dass sie noch allzu fern ist.
Doch sie hofft
Ihr Herz ist warm.

Sie baut Hütten wie die Hirten.
Der erste Schritt: Suche eine natürlichen Grube.
Der nächste: Nutze das Material.
Holz ist schon verbrannt.
Es bleiben Steine und Erdklumpen,
die zum Schutz getürmt werden.
Mit Moos wird ausgekleidet.
Der Erfolg hängt ab von der Form des Tals.
Wie lange Tageslicht ist.
Der Erfolg hängt ab von der Reichhaltigkeit der Umgebung.
Der Erfolg hängt ab von der Fähigkeit und dem Glück, zu finden.

Doch dieser Tag war besser.
So fand sie zwar nur wenig Holz,
Doch genug zu essen
und eine Höhle, geschützt vor Wind.
So wird sie doch den nächsten Tag sehen.

Die Sonne geht schon langsam unter.
So bleibt den Armen Zeit für sich.
Gedanken, Gebete, Lieder und Verzweifeln.
Ist die Verzweiflung gross, ist die Kälte nah.
Sie lädt dich ein.

Komm zu mir.
Du musst nicht mehr.
Alles ist vorbei.
Meine Arme werden dich ruhig in den Schlaf begleiten.

Doch alle, die dem Zweifel glaubten, sind vergangen.
Friedlich und Ewiglich.
Doch sie lebt.
Sie ist noch warm.
Ihr Herz schlägt.
So singt sie:

Sie singt leise.
Leise.
Die Lippen bewegen sich kaum.
Die Melodie im Kopf; im Atem.
Doch die Wärme der Lieder dringt tief ins Herz.
So singt sie wieder das Buch der Lieder.
So singt sie und wärmt das Herz des Kinds.

Am Horizont die Hoffnung.
Eine Stadt, in der sich Menschen wärmen.
Keine geruchlose Kälte.
Nur stinkende Wärme.
Der Gestank des Lebens.
Wie sehr sehnt sie sich nach dem Schweiss der anderen.
Nach dem warmen Kot.
Er wärmt.
Und wird er verbrannt, wärmt er erneut.

Sie ist es leid, nichts zu riechen.
Die Kälte raubt die Sinne.
Die Finger taub.
Kein Geruch.
Wie Taub und Tinitus zu gleich.
Alles grau.
Kein Leben. Keine Geräusche ausser dem Wind.
Keine Berührung, keine Verletzung, keine Narbe, kein Eindringen, kein Leben.

Tod und Jauche

Angekommen in der Stadt.
Die Stadt der Verheissung.
Oma erzählte, der Wärmebringer komme aus ihr.
Doch die Geschichte ist alt
und die Hoffnung schwach.
Das Buch der Lieder singt von ihm.
Sie singen von einem König.
Von einem Hirten.
Von einem Auf-Richter.
Sie singen, dass er geschlagen wird.
Dass er siegen wird.
Dass er sterben wird.
Dass sein Reich ewig bleibt.

Der Gestank der Stadt belebte ihre Sinne.
Sie sucht eine Bleibe.
Wo ist Oma?
Sie fragt nach alten Frauen.
Sie beschreibt sie, so gut sie sich erinnert,
doch ausser "alte Frau" hören die Gefragten nichts.
Die Stadt ist schnell durchsucht.
Alte gibt es wenige.
Es gibt ein Altenheim.
Ein Hospiz.
Dort dürfen alte Menschen in Würde sterben.
Dort sind Kräuterkundige.
Die Alten werden zur Kältemutter geführt.
Mit Pilzen beruhigt in die Kälte gelegt,
umarmt sie die Mutter und nimmt sie zu sich.

So geht sie zum Platz der Ruhe.
Sucht nach ihrer Oma.
Alle Alten liegen friedlich gebettet,
wenige erreichten die 50 Jahre.
So bleiben sie und verwesen nicht.
In der Stadt: Verwesung und Gestank.
Hier draussen: Das Ewige nichts.

Sie geht durch die Reihen gebetteter Alten.
Entfrorene sehen kennt sie.
Sie schaut in die Gesichter.
Meist friedlich.
Sie muss einsehen, sie weiss nicht mehr, wie ihre Oma aussieht.
Sie geht zurück in die Stadt.
Vielleicht lebt sie noch?

Draussen in der Natur gab es Essen, aber kein Feuer.
Hier gibt es Feuer, dafür kaum Essen.
So braucht sie Geld.
Sie bietet ihre Dienste an.
So manches Kleid flickt sie.
So manchen Mann kleidet sie.
Genug zum Essen.
Nicht genug für ein Bett.
So schläft sie auf der Strasse.
Doch eine Frau alleine auf der Strasse?
Genau so ist ihr Kind entstanden.
Sie ist jung und verletzt.
Doch gezeichnet und gestählt.
So weiss sie sich zu verstecken
und auch diese Zeiten erdulden.

Der Tag rückt näher,
Geld für eine Unterkunft hat sie noch immer nicht.
Sie fragt nach einer Bleibe,
doch wer sollen sie unterbringen?
Sie findet keinen Platz.
Und wenn, dann keinen sicheren.
Immer langsamer.
Der Bauch drückt. Wird hart.
Der Atmen schweer.
Der Bauch presst und sie atmet.
Sie kennt Schmerz.
Ach tröstlicher Schmerz.
Du zeigst mir, dass ich bin.
Da ist nichts, das sie fürchtet.
Sie stiehlt sich in eine Jauchegrube.
Dort ist es warm und sie ist sicher.

Die grosse Dehnung

Ihre Geburt wird alleine sein.
Aber warm.
Das Kind wird nicht alleine sein.
Und warm.

Die Schreie aus der Jauchegrube verlieren sich in dem allgemeinen Lärm.
Es schreien viele.
Sie ist nichts besonderes.
Fällt nicht auf.

Sie ist erschöpft.
Die Gedanken kreisen:

Wo ist der Mann?
Wo ist Oma?
Warum bin ich allein?
Ich schaffe das nicht.
Das Kind wird sterben.
Ich werde sterben.
Ich hoffe, das Kind stirbt auch, wenn ich sterbe.

Ich will das nicht.
Ich kann das nicht.

Sie schläft ein.
Sie wacht auf: Schmerz

Alles schliesst sich.
Alles verengt sich.
Das Kind dehnt sich.
Der Kampf beginnt.
Das Kind gewinnt.

Ich kann nichts.
Ich bin nichts.
Die Wärme ist da.

Eine warme Geburt.
Was will man mehr.

Die Wärme ist in meinem Herzen.
Ich bin nicht kalt.
Das Kind darf kommen.
Das Kind darf mich töten.
Ich gebe mich hin und vertraue dir: Vater des Lichts.

Ein Kind ist geboren.
Eine Frau ist geworden.

Wärmer als Jauche

Draussen sind Hirten.
Sie können dort bleiben.
Ihr Kleinvieh frisst Moos.
Ihr Kleinvieh gibt warm.
So wird der Dung gesammelt, getrocknet, verkauft.

Bei den Hirten ist Wärme.
Bei den Hirten ist Ruhe.
Sie sind die Bringer der Lehre.
Sie erzählen Geschichten, denn sie sehen viel.
Sie reisen von Stadt zu Stadt, da die Tiere sie wärmen.

So träumten sie in einer Nacht.
Der Lichtvater, umringt von Feuerdienern.
Sie sangen das Lied aus dem Buch der Lieder.

Ein Kind ist euch geboren.
Es ist in Jauche geschmiert in Lappen gewickelt.
Das Kind des Lichts.
Das Kind der Wärme.

Die Hirten erwachten, sprachen ungehemmt.
Waren verwundert über den Traum.
Spürten die Wärme im Herzen.
Wollten das Jauchekind sehen.
So gingen sie zurück in die Stadt.

Das Moos war schon abgegrast.
Doch ein, zwei Tiere dürfen verenden für diese Hoffnung.
Ihre Herzen blieben warm.
Sie drangen in die Stadt und fanden das Kind.
In Jauch und Lappen.
Sie knieten nieder.

Die Frau behielt alles tief in ihrem Herzen.
Sie freute sich.
Sie wärmte sich an der Freude der Hirten und begann zu hoffen.
Zu hoffen, dass das Kind leben wird.

Leichtes Gedärm

Auf der Ebene scheint die Sonne.
Auf der Ebene ist es warm.
Reiche werden sie genannt.
Doch "Warme" wäre richtig.
Die Ebene ist voll.
Regiert von eiserner Hand.
So dürfen nicht noch mehr Personen auf die Ebene.
Wer nicht genug hat, muss in die Kälte.
Bekommt ein Reicher viele Kinder, so müssen ebenso viele Warme in die Kälte.
Die eiserne Hand lastet schweer.
Die eiserne Hand duldet keine zweite.
Die Almend ist so gesund, wie die eiserne Hand stark.

Da kam eine Gelehrte in der Weise der Eingeweide.
Sie deutet die Zukunft aus den Eingeweiden.
Eine alte Kunst.
Ein alter Zauber.
Ohne Lichtvater oder Kältemutter.
So geht sie von Leiche zu Leiche.
Schändet und sieht.
Fragt sich und sieht.
"Eine federne Hand ist geboren."
"Ein guter Hirte, der uns weidet auf der Ebene."
"Er bringt den Kalten Wärme und den Warmen die Kälte."

Ein weiterer Hund aufgeschlitzt.
Es ist klar.

So geht sie zur eisernen Faust.
Sie fragt:

Wo ist die federne Hand?

Er sagt:

Ich bin die eiserne Faust.
Ich weiss von keiner federnen Hand.
Besuche sie und komm zurück.
Ich will ihr huldigen.

So ging sie und fand das Kind.
Sie beschenkt es mit royaler Kette.
Ging zurück, doch nicht durch die Ebene:
Ein Bote des Lichts verbot es ihr.

Die eiserne Faust glüht.
Und zerdrückt die Schwachen.
Die Warmen zerflossen.
Die Kalten erzitterten.

Eiserne Hand:

Tötet jedes Kind.
Ob Warm oder Kalt.

Gelehrte!
Wo wird die federne Hand geboren?

Berater:

Aber Herr: Diese ist nur eine Legende.

Eiserne Hand:

WO!

Berater:

In der Stadt.
Sie stinkt nach Dung.

Eiserne Hand:

In der Kälte?

Berater:

Sie war mal warm
doch jetzt ist sie kalt.

Eiserne Hand:

Tötet jeden Knaben.
Ob Warm oder Kalt.


Von gutem Geschlecht

Sie vernahm die Botschaft.
Jeder Knabe muss sterben.
Den Mann, die Kälte, das Kind überstanden.
Doch die eiserne Faust?

Zurück auf der Strasse.
Kleider gemacht.
Das Kind immer bei sich.
Immer die Brust.
Immer die Milch.
Viele Kleider für viel zu Essen.
Kümmerlich und weinerlich.
Doch immerzu nah.

Das Kind weinte oft.
Das ist gut.
Ein Kind das weint, hofft.
In stilles stribt.

Aber bitte nicht heute.
Heute kommen die eisernen Boten.
Sie haben den befehl:
Jeden Knaben zu töten.

Er nimmt ein Tuch vor den Mund.

Hier stinkt es.
Der Alte soll mal abdanken.
Als ob von einer Jauchegrube ein König kommt.
Frau! Gib dein Kind.
Ich hab es gehört.

Sie zittert.
Umklammert das Kind.
Er löst ihre Arme mit ruhiger Bewegung.
Sie kreischt und klammert.
Er schiebt sie sanft weg.
Tritt ihre Wade.
Sie verliert den Stand.
Sie stöhnt.
Er tritt ins Gesicht.

Gemahlen und zermürbt, am Boden gekauert.
Die Wärme ist fern.
Gekrümmt unter der Last der Welt.
Still und bang.
Sie wartet auf das Ende.
Bis sie eingeht in die ewige Kälte.

Er nimmt das Kind.
Wickelt kurz die Lappen weg.
Sieht die Scheide.

Das dringt niemals ein.

Er wirft es auf die Mutter.
Tritt noch einmal nach ihr.
Das Kind platzt auf die magere Brust
und fällt zu Boden.

Wäre sie eine Warme gewesen
wäre das Kind weich gefallen.
Doch ist sie eine Kalte.
Das Kind eine Harte.

Das Mädchen ist zu klein.
Keine Gefahr für die eiserne Hand.
Zu schwach sind Frauen.
Und ein Nichts sind Mädchen.

Nicht wert, getötet zu werden.


Geboren zu lieben

Geboren aus Jauche.
Gewachsen zur Dirne.
Sie versprühte die Nähe.
Die Wärme war da.

Sie lernte Vertrauen an der Brust ihrer Mutter.
Keinen Mann verschmähte sie.
Keine Frau wies sie ab.
Geboren zu lieben.

Die Mutter weinte.
Sie schämt sich sehr.
Keine Mutter will,
dass ihre Tochter eine Dirne wird.

Fern sind die Erinnerungen.
Die Hirten knieten.
Die Wahrsagerin beschenkte.
Ein Traum?

Nein!
Noch immer trägt sie die Kette auf ihrem Herzen.
Und behält die Worte in ihrem Herzen.
Doch wo ist die Hilfe?

Sie schaut auf zu den Bergen.
Da ist keine Hilfe.

Die Tochter vertraut.
Unzerbrechlich.
Verletzt und geschlagen.
Gewürgt und vernarbt.

Doch...
Keinen Mann verschmähte sie.
Keine Frau wies sie ab.
Geboren zu lieben.

Mit gestilltem Vertrauen
Geschichten der Alten
Lieder der Wärme
Einem Herzen aus Feuer


Perkussion

Mitten im Liebesspiel.
Erneut gewürt doch ohne Angst.
Einmal wird sie gehen.
Das weiss sie schon lange.

Hörte sie passiv den Verrückten.

Kommt alle her und hört.
Kehrt um.

Der Freier nimmt sie und dreht sie auf den Rücken.
Abgemagerte Hoden klatschen auf einen abgemagerten Arsch.

klatsch

Die Sonne scheint warm für alle.

klatsch

Der Vater sieht auf die Eben und ins Tal und sieht nur kalte Herzen.

klatsch

Kehrt um, denn ein warmes Herz gefällt ihm.

klatsch Er spuckt ihr ins Gesicht.

Ein kaltes spuckt er aus.

Er packen ihr Brust.

Ob warm oder kalt, der Vater schaut nur aufs Herz.

klatsch

Schaut nicht auf die anderen.
"Die Warmen sollen uns etwas abgeben."

klatsch

"Gäben sie einwenig von ihrem Reichtum,
unser Leben wäre einfach."

klatsch
Er packt sie erneut.
Stellt sie auf an die Wand.

Ihr schreit nach Gerechtigkeit

Er würgt sie an die Wand.

Eine Gerechtigkeit die euch aufrichtet.

klatsch

Doch was bringt ihr mit?

klatsch

Was ist in eurem Herzen?

klatsch

Überlasst das Gericht dem Wärme Vater.

klatsch Er kommt bald.

Er übersieht kein Unrecht.

klatsch, klatsch, klatsch

Nichts bleibt ihm verborgen.

klatsch, klatsch, klatsch

Doch ihr vertraut ihm nicht.

klatsch, klatsch, klatsch

Und eure Herzen sind dunkel.

Grölendes Stöhnen

Kehrt um. Rufe ich. Kehrt um.

Er wirft sie zu Boden.

Alles worum ihr euch kümmern müsst, ist euer Herz.

Sie liegt
erneut geschändet
auf kaltem Boden
mit warmem Herz.

Ein Herz aus Stein, kalt wie Eis.
Doch kommt mit mir und erneuert euer Herz.
Die Wärme ist in euch.
Die Warmen haben die Wärme nicht.
Die Sonne hat die Wärme nicht.
Die Sonne wird vergehen, aber die Wärme des Vaters überdauert.
Was kalt ist, wird verglühen in seinem Angesicht.
Nur was warm ist tanzt im ewigen Reigen.

Sie steht auf.
Zieht sich an.
Richtet ihre Kleider.
Dreht sich zum Verrückten.

Kehrt um.
Kommt und folgt mir.

Sie folgt ihm nach.


Eis so heiss wie Feuer

Eine Gruppe von 5 Personen geht mit ihm. Er schaut sie an. Traurig und voller Wärme. Alle gehen in einer Gruppe.

Sie gehen aus der Stadt. In die Kälte.

Er sagt:

Wir werden über Kohle gehen.
Kohle brennt weg, was nicht sein darf.

Sie denkt:

Woher nimmt er Kohle?
Ist er so reich?

Er sagt:

Die Vergangenheit liegt hinter euch.
Seid bereit das nichtmehr zu tun.

Sie denkt:

War es denn meine Wahl?

Er sagt:

Die Vergebung und Umkehr gehören zusammen.

Sie denkt:

Na zumindest jetzt vergreift sich niemand an mir.
Zumindes noch nicht.

Er sagt:

Ihr wart vielleicht angesehen.
Oder ungesehen.
Doch einzig die Umkehr zählt.
Vor dem Lichtvater sind alle gleich.

Sie denkt:

Ich hoffe nicht.
Ich bin Opfer. Er war Täter.

Er sagt:

Kehrt mit mir um.
Früher wurdet ihr nicht gesehen.
Doch ich sehe euch.

Er dreht bleibt stehen.
Dreht sich zu ihr.

Du bist die, welche mich läutern sollte.
Doch du kamst zu mir.

Sie (erstaunt über sich selbst):

So soll es sein.
Du wurdest zu mir gesandt.
Und ich zu dir.
Du setzt mich frei.
Und ich gehe davon.
So tue deinen Auftrag.

Er schockiert, versteinert.

Ja.

Sie kommen zu einem kalten Bach

Du Tochter der Auserwählten.
Jauchetochter und Dirnengut.
Willst du umkehren und vondir brennen?
So geht über diesen Pfad mit Steinen.

Sie nickt.

Du und du.
Nehmt sie an den Händen und führt sie über die Steine.

Die Steine: spitz und eiskalt.
Die Kälte: intensiv
Erfrierender Schmerz.
Sie schlitzen die Fusssohlen auf.

Sie schliesst die Augen.
Eine Feuergestalt erscheint.

Dies ist meine geliebte Tochter an der ich wohlgefallen habe.
Auf sie sollt ihr hören.

Sie öffnet die Augen.
Alle sind schockiert.
Sie dreht sich und geht nochmals über die Steine.
Der Schmerz egal.

Sie geht zum Verrückten.
Legt ihre Hand auf seine Schulter.

Nächstes mal: Schau deinen Zuhörern in die Augen.
Du sagst du siehst sie?
Doch du hörst nur ihn.
Der Lichtvater ist dir nahe.
Doch die Menschen fern.

Du wärmst den Boden damit ich pflanzen kann.


Das grosse Ja

So treibt sie nun der Wind
Peitscht sie auf die Berge.
Ohne Essen und ohne Feuer.
Zwei Nächte.

Nahe dem Tod zitternd und schauernd.
Ihr Geist entflieht ihr.
Da tritt die Kältemutter heran.

Bist du die Tochter des höchsten,
so befiehl diesem Stein er soll zu Holz werden.

Sie aber antwortete.
Und aus ihr spricht die Oma:

Die Wärme ist in uns und nicht im Holz.

Da nahm die Kältemutter sie an einen See.

Stürz dich hinein.
Wurde dir nicht gesagt:
Er versorgt und wärmt?
Sie erwiderte:
Er tut es oder nicht.
Dafür stürze ich mich nicht in den See.

Schliesslich führte sie sie auf die Krete.

Schau: Du siehst die Ebenen.
Du siehst die Täler.
Ich gebe dir alles wenn du in meine Arme kommst.

Sie:

Geh weg von mir du Hexe.
Deine Arme führen zum Nichts.
Doch ich friere noch immer!
Mein Schmerz bleibt.

So verschwand die Kältemutter
und in ihr entstand eine Wärme,
die sie trug durch bis zu einem kleinen Dorf.


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