Soft Skills in Hard-Skill Jobs
Seit ich mit meiner Frau zusammen bin, habe ich Einblick in eine bisher unbekannte Welt gewonnen. Vorher war ich mit Fähigkeiten und Wissen beschäftigt. Aber wenn ich eine erfolgreiche Beziehung führen möchte, brauche ich mehr: sogenannte Soft Skills. Das Lesen zwischen den Zeilen des Lebens.
Beim Arbeitgeber meiner Frau, einem Krankenhaus, sind diese Fähigkeiten selbstverständlich. Die meisten Mitarbeiter können die Gefühle und Bedürfnisse anderer einschätzen. Sie stellen Fragen und versuchen, auf sie einzugehen – mehr oder weniger erfolgreich.
Bei meinem Arbeitgeber, einem Software-Dienstleister, ist es anders. Soft Skills sind selten, und die Welt ist eine der Hard Skills, eine der messbaren Leistung – zumindest scheint es so. An meinem ersten Arbeitstag ereignete sich ein fast klischeehaftes Beispiel: Ein Mann kam herein, der in einem Komitee für die Durchsetzung von Unternehmenswerten sass. Er erwähnte die vier Ebenen von Schulz von Thun. Dieses Modell beschreibt, dass wir auf verschiedenen Ebenen kommunizieren: die Sachebene, die Appellebene, die Beziehungsebene oder Selbstoffenbarung. Dieser Wertemanager sagte dann: „Wir kommunizieren auf der Sachebene in diesem Unternehmen." Dieses Beispiel ist süss: Er kannte die Ebenen, hatte aber nicht verstanden, dass wir nur begrenzten Einfluss darauf haben, auf welcher Ebene wir kommunizieren. Als er das sagte, musste ich sichtbar schmunzeln.
Meine Hypothese: Man kann sich von anderen durch Soft Skills und Hard Skills abheben. Mit Verständnis für Kommunikation kann ich mehr Initiative zeigen und aktiv Gespräche und Projektfortschritte beeinflussen – besonders, wenn mein Gegenüber auf dieser Ebene schwächer ist.
Darüber hinaus behaupte ich, dass auch Hard Skills einen Unterschied machen. Wenn der Chef meiner Frau allen gefallen will, kann sie das ausnutzen und ihre Anliegen durchsetzen. Aber sie kann sich auch durch bessere Leistung von ihren Kollegen abheben.